(Mit) Kinder(n) Spiele(n)

Eine kleine Sammlung ausgewählter ruandischer Kinderspiele.

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Ubute

Ubute ist in Kinyarwanda ein Name für eine Person, die so müde und erschöpft ist, dass „nichts mehr geht“. Eine Redewendung sagt zum Beispiel: „mfite ubute“ („Ich  habe ubute“  enstpricht  „Ich will nicht arbeiten, bin müde“).

Im Grunde unterscheidet sich Ubute jedoch kaum von dem uns bekannten „Fangen“ oder auch „Ticken“. Ein Kind wird ausgewählt, das „Ubute“ ist, und anfangen muss, die anderen zu ticken. Das Kind, das getickt bzw. gefangen wurde, ist nun Ubute, und muss dementsprechend weiter machen. Wenn das Spiel beendet werden soll, weil es sich ja doch schon in die Länge ziehen kann (aber auch dran denken: Bewegung ist gut!), dann wird das Codeword gesprochen: „Jaburaraniye“, er wird mit Ubute schlafen – denn er hat es nicht geschafft, es weiter zu geben.

 

Ikibariko

Ikibariko entspricht dem Spiel “Himmel und Hölle” und wird auch exakt genauso gespielt. Auch in Ruanda gilt es überwiegend als Spiel für Mädchen.

Das typische Muster, das einem aufgeklappten Würfel gleicht, wird mit Kreide auf den Boden gemalt. Dann versucht man, mit einem Stein ein bestimmtes Feld zu treffen (am besten so weit wie möglich), und springt auf einem Fuß dorthin. Ich erinnere mich nicht mehr genau an Himmel und Hölle, aber wer das Spiel kennt, kann auch Ikibariko spielen.

 

Munjanja, Kunkombe

Das gefiel mir besonders gut! Bei diesem Spiel kannte ich auch vorher noch kein Äquivalent im Deutschen, wobei es auch hier sicherlich eines gibt. Man malt einen Kreis mit Kreide auf den Boden, und einen größeren noch einmal außenrum. Man hat also zwei Kreise, wobei einer größer ist und den kleineren in sich einschließt.

Die Kinder stehen nun außen um den Kreis herum. Ein/e Freiwillig/e (ich habe es nur Mädchen spielen sehen) übernimmt nun die Aufgabe, in beliebiger Reihenfolge die Worte „Munjanja“ und „Kunkombe“ zu rufen. Das Kommando ist folgendes:

Bei „Munjanja“ (= „ins Wasser springen“) müssen die Kinder in den Kreis springen,

bei „Kunkombe“  (= „auf dem Land bleiben“) wieder, bzw. (draußen) stehen bleiben.

Wenn nun ein Kind bei Munjanja beispielsweise springen müsste, es aber nicht/ zu spät tut, fliegt es raus. Besonders spannend wird es, wenn die Geschwindigkeit erhöht wird, mit der die Wörter – am besten ganz durcheinander – gerufen werden.

 

Saye, Nori

„Lasst uns Saye spielen!“ – Saye, eigentlich ein Wort ohne Bedeutung, aber sofort wissen die Kids, was gemeint ist – Verstecken! Genau wie bei uns – einer muss suchen, die anderen verstecken sich. Der „Sucher“ fragt dann „Saye!“, und wenn noch nicht alle versteckt sind, dann rufen die anderen „Nori!“. Erst wenn keine Antwort beim „Saye“-Ruf mehr zurückkommt, dann kann der „Sucher“ mit der Suche beginnnen.

 

Agatambaro

Als ich die Stiftung eines Bekannten in Gisozi besuchte, in der Kinder kostenfrei in Englisch und Mathematik unterrichtet werden, spielten wir das erste Mal „Agatambaro“ zusammen, und ich musste schmunzeln, weil ich es kannte – Plumpssack!

Ich denke, die Regeln von Plumpssack sind klar, man sitze im Kreis, einer geht außen rum, alle singen, und das Kind, das Plumpssack ist, lässt hinter einem anderen Kind etwas liegen und muss dann eine Runde bis zu seinem Platz machen. Nur in Ruanda singt man etwas anderes:

Der Plumpssack beginnt: „Agatambaro kumwana kari he?“
Die anderen: „O gako karahise“
Plumpssack: „Uwo ngashiraho“
Andere: „Ni tumubwire“

Im Maison des Jeunes habe ich verschiedene Versionen von Murmelnspielen („Billes“ fr.) gesehen, die besonders bei Jungs populär sind. Ich selbst habe nur einmal ausprobiert, mitzuspielen, aber aufgrund mangelnder Skills im Murmelnstoßen aufgegeben, daher fallen mir die Regeln schwer.

Man hat ein „Dogoma“, sozusagen die Basisstation, jeder Spieler kann 2 Murmeln darein legen. Und auf der anderen Seite eine Linie. Dann versuchen die Spieler, eine Murmel am nähesten an die Linie zukicken. Die andere bleibt jeweils noch im Dogoma. Denn nun, von der Linie (also der anderen Seite aus), versucht man, die Murmeln, die noch im Dogoma sind, dort rauszukicken, gelingt dies, so gehören die rausgekickten Murmeln dir.

Diese Beobachtungen brachten mich ins Grübeln. Es gibt kaum Unterschiede zwischen den Kinderspielen. Da unsere Kinder kulturübergeifend das Gleiche spielen, gibt es kein „die sind aber anders als wir“ –

Kinder sind überall auf der Welt doch erst einmal nur Kinder. Davon könnten wir in anderen Lebensbereichen einiges lernen.

(Download als PDF)

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