Poetry


Nehmt mich auf

(2011)

Nehmt mich auf, in eure Welt so weit,
wo die Dunkelheit mein Herz befreit,
dort nimmt mein Weg den neuen Lauf –
drum, liebe Sterne, nehmt mich auf.

Nehmt mich in der Familie an,
in der plötzlich jeder fliegen kann,
die Einfachheit nehm‘ ich in Kauf –
drum, liebe Vögel, nehmt mich auf.

Nimm mich, als eine von Milliarden,
will ich in deiner Seele baden,
auch wenn ich mich in dir verlauf –
ach, liebes Meer, nimm mich doch auf.

Nehmt mich auf als kleines Blatt so zart,
in eurem Standpunkt bleibt ihr hart,
diese Kraft weckt meine Seele –
so, liebe Bäume, nehmt mich auf.

Die einen strahlen wie Ideale,
die anderen, frei von allen Qualen,
andre sind so klar und rein,
und die letzten können die Stärksten sein.

Wer hat mich zum Mensch gemacht,
mich an diesen Ort gebracht?
Wenn ich bereue, was ich bin,
dann möchte ich woanders hin.

Dann geht alles, was ich weiß, zunichte,
und keine Wahl sei mir gelieben,
denn euer alle sowie meine Geschichte
sind von einer Hand geschrieben.


Eine kleine Ansprache an den Verstand

(2011)

Geführt durch selbst gemachte Leiden
von einer Welt, die nicht zusammenhält –
versuch ich, Gedanken zu vermeiden,
durch die mein Geist ins Leere fällt.

An einem Ort voll Einsamkeit
find ich den Weg, der mich entführt.
Schon lang war ich dazu bereit,
dass mein Herz meinen Geist berührt.

Eine Welt, die ich mir denke
in der auf Wiesen Rosen blühen
und ich mich mir; mir selbst nur schenke,
um mich für deine Welt zu bemühen.

Der Weg führt mich in die Natur,
zu Wasser, das klar wie Wahrheit ist.
Ein kleiner Blick genügt dir nur,
um zu spüren, dass du wertvoll bist.

Komm mit mir in diesen Traum,
verlassen wir die Grausamkeit,
ein kleiner Schritt, du merkst es kaum –
wir sind für den Neuanfang bereit.


Heimat

(2011)

Ein Land, in dem die Hügel singen,
von Kindern, die die Wahrheit kennen,
wo Sehnsuchts-Glocken zart erklingen
ich darf es mein zu Hause nennen.

Das Land birgt Schätze aus Gold,
die tief in seinen Menschen wohnen.
Für den, der dem Ruf der Liebe folgt,
wird sich die lange Reise lohnen.

Ein Wort entdeckt, das fremd erscheint,
ist es dort, wo Menschen Frieden finden?
Oh Heimat, bist du’s, die uns vereint,
oder trennst du,
was versucht,
sich zu verbinden?


Im Herbst

(2011)

Ich wandere einsam durch die Welt,
sie ist kalt und trist in diesen Tagen.
Blatt um Blatt vom Baume fällt,
Abschied, ohne ein Wort zu sagen.

Ich wandere einsam durch Mutter Natur,
denn sie will mich etwas lehren,
Abschiede sind nicht Schmerzen nur,
sondern Hoffnung auf neues Aufbegehren.

Ich wandere einsam durch die Welt,
das Geheimnis verrät mir ein nackter Baum,
„Ich ließ sie gehen, weil sie hier nichts mehr hält,
und weil wir Bäume auf den Frühling vertrauen.“


Metamorphose

(2012)

So rinnt sie durch deine zarten Hände,
wie Staub, der eben noch dein Denkmal war,
das Lied der Jugend geht nun zu Ende
die Welt, die du erträumt hast, ist nicht wahr.

Wo sollst du dich halten, wenn sonst alles fällt,
alles, woran du geglaubt, aus deinen Händen geglitten,
Sehnsucht, du rufst nach der behüteten Welt,
doch die Grenze ist längst überschritten.

Es ist Nacht. Alleine auf deinem Zimmer,
und du verstehst, nichts bleibt für immer.
Es ist Nacht. Glaubst, du hast alles verloren,
gehst hinaus, suchst dich selbst, ganz verfroren.

Neubeginn. Irgendwo hörst du Kinderstimmen singen
du dachtest, die Welt geht unter, doch nein,
bevor du ahntest, du wirst niemals mehr glücklich sein
wirst du, kleine Raupe, zum Schmetterling.


In der Fremde

(2010)

Ich gehe durch so leere Straßen,
die überfüllt von Menschen sind.
Wie gerne würd ich sie erfassen!
Doch da die Zeit so schnell verrinnt,
kann ich keinen einz’gen halten,
denn alle laufen vor mir weg.
Diese vielen fremden Gestalten
sehen in mir keinen Zweck.

An der Kreuzung halt‘ ich an,
aber nur, weil ich ihn seh‘ –
einen Menschen, der nicht weiter kann,
weil er mir gegenüber steht.
Sein Gesicht ist mir vertraut,
sein Körper meinem ähnlich,
sein Herz, das schlägt genauso laut,
wie meins: ich sehe mich.

Und ich will weder mich selbst finden,
noch einen Sinn erfragen,
während alle Zweifel schwinden
und ohne ein Wort zu sagen,
verrät mir diese neue Kunst,
die sich spaltet in tausend Farben,
dass wir uns kennen, ohne uns
vorher je gesehen zu haben.