Geh, wohin dein Herz dich trägt.

Wie ich jedesmal traurig bin, wenn ich ein vergeudetes Leben sehe, ein Leben, in dem der Weg der Liebe sich nicht durchsetzen konnte. Gib auf dich acht. Jedesmal, wenn du, wachsend, Lust haben wirst, die falschen Dinge in richtige Dinge zu verwandeln, erinnere dich daran, dass die erste Revolution, die man machen muss, die im eigenen Inneren ist, das ist die erste und wichtigste. Für eine Idee zu kämpfen, ohne eine Idee von sich selbst zu haben, ist mit das gefährlichste, was man tun kann.

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Jedesmal, wenn du dich verloren fühlst, denk an die Bäume, an ihre Art zu wachsen. Denk daran, dass ein Baum mit einer großen Krone und wenig Wurzeln beim ersten Windstoß umgerissen wird, während bei einem Baum mit vielen Wurzeln und kleiner Krone dir Säfte nicht richtig fließen. Wurzeln und Krone müssen gleichermaßen wachsen, du musst in den Dingen und über den Dingen sein, nur so wirst du Schatten und Schutz bieten können.

Und wenn sich dann viele verschiedene Wege vor dir auftun werden und du nicht weißt, welchen du einschlagen sollst, dann überlasse es nicht dem Zufall, sondern setz dich und warte. Atme so tief und vertrauensvoll, wie du an dem Tag geatmet hast, als du auf die Welt kamst, lass dich von nichts ablenken, warte, warte noch. Lausche still und schweigend auf dein Herz. Wenn es dann zu dir spricht, steh auf und geh, wohin es dich trägt.

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Bevor du über einen Menschen urteilst, gehe drei Monde lang in seinen Mokassins. Verständnis erwächst aus Demut, nicht aus dem Stolz zu wissen.

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Nicht einmal die größte, absoluteste Liebe ist in der Ferne gegen Zweifel gefeit.

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“Plötzlich war mir klargeworden, dass das Licht, in dem ich in den letzten Jahren erstrahlt war, nicht aus meinem Inneren kam, sondern nur ein Widerschein war. Das Glück, die Liebe zum Leben, die ich empfunden hatte, gehörten mir in Wirklichkeit gar nicht, ich hatte sie nur wie ein Spiegel aufgefangen. Er sandte Licht aus, und ich reflektierte es.

…die Entdeckung, kein eigenes Licht zu besitzen, machte die Versuche, eine Antwort zu finden, noch schwieriger.”

Ξ

Es musste ein Sinn darin liegen, diesen Sinn sah ich  undeutlich vor mir wie eine riesige Stufe. War sie da, damit ich sie überwinde?

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Entliehen von Susanna Tamaro: Geh, wohin dein Herz dich trägt 1998

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