Zwischen Norm und Schicksal.

Sie hatte herausgefunden, daß es zwei Dinge gibt, die einen Menschen daran hindern, seine Träume zu verwirklichen: der Glaube, sie seien ohnehin unerfüllbar, oder wenn diese durch eine unerwartete Drehung des Schicksalsrades plötzlich doch erfüllbar werden. In solchen Augenblicken bekommt man Angst vor einem Weg, von dem man nicht weiß, wohin er führt, vor einem Leben voller unbekannter Herausforderungen, davor, daß vertraute Dinge für immer verschwinden könnten.
          – Paulo Coelho, Der Dämon und Fräulein Prym

Zwischen Norm und Schicksal gleite ich gelegentlich hin und her, und auf diejenigen Menschen, die mir am nächsten sind, wirkt das oftmals so, als würde ich nicht wissen, was ich wirklich wollte.
“Was willst du eigentlich wirklich?” ist somit zu einer wiederkehrenden Frage geworden, die ich mir nicht nur selbst ständig stelle, sondern die auch von außen an mich herangetragen wird. Auf manche Menschen wirke ich, wie als würde ich ohnehin auf abenteuerliche Art und Weise meinen Träumen hinterherjagen, doch manchmal, wenn ich den Blick tief in mich selbst kehre, vermute ich, dass ich mich selbst davon abzulenken versuche, diese Fragen zu beantworten, indem ich mich ständig irgendwie beschäftigt halte, neue Projekte angehe, oder eifrig irgendwelche Zukunftspläne schmiede.
Yoga ist für mich zu einer Medizin geworden, diese Lebenswirren beiseite zu legen, und mich ganz dem Moment zu widmen. Aber es bleibt für mich auch evident, dass ein Leben für den Moment ohne Zukunftsplanung oder Vision in die Leere führen kann.
Warum zwischen Norm und Schicksal? Was sind diese ominösen vertrauten Dinge, die ich verlieren könnte? Nun, mein Herz weiß, dass ich gerne eine Auszeit vom standardisierten akademischen Werdegang nehmen würde und intensiv Yoga unterrichten möchte. Vielleicht nur für ein Jahr, bevor es mit dem fast obligatorischen Master weitergehen kann. Aber mein Verstand hat seine Argumente, die mich ständig hin und herpendeln lassen. Ich will Menschen, die mir viel bedeuten, nicht enttäuschen, wünsche mir finanzielle Unabhängigkeit, mit der ich mich selbstständig versorgen kann. Gleichzeitig ist der Einstieg ins Berufsleben – und das gilt vor allem für die professionelle internationale Ebene – ohne Masterabschluss fast unmöglich. Mein Herz weiß genau, dass ich meinen Seelenverwandten gefunden habe, mit dem mein Leben jeden Tag in einem neuen Licht erscheint, und sucht nach Wegen, gemeinsam weiterzugehen, aber mein Verstand sagt mir – in Einklang mit sogenannten erfahrenen und vernünftigen Menschen – dass wir noch so jung sind, dass sich so vieles verändern kann, und dass ein solcher Schritt mit einer enormen Verantwortung einhergeht.
Ich vertraue meinem Herzen, in der Tat sogar mehr als meinem Verstand. Und während ich genau weiß, dass ich meine Träume und meine Lebensführung nicht von pseudorationalen Argumenten manipulieren lassen sollte, erlaube ich es trotzdem. Aus Furcht, Fehler zu begehen. Aus Furcht, abgelehnt zu werden. Auch Furcht, Menschen zu enttäuschen, die ich liebe. Doch während ich diese Menschen vor Schmerz schützen will, enttäusche ich mich selber.
Was werde ich tun? Welchen Weg werde ich gehen? Die Wahrheit und der richtige Weg liegt – ich ahnte es – hinter der Mauer der Angst.

One thought on “Zwischen Norm und Schicksal.

  1. Hallöchen Schatz! Du haderst schon wieder mit dem Schicksal?!! Ich würde dir so gerne diese Angst 😓 nehmen und ich hab dir doch schon mal gesagt – Du bist dein Schicksal – völlig egal was du machst oder nicht. Ich liebe dich. Aber du kannst auch einen in den Wahnsinn treiben mit deinem hin und her!!!!!😁

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