“Yoga-High”

Unknown
“Yoga hat nichts mit Selbstverbesserung zu tun, sondern mit Selbstakzeptanz.”

Als ich mit Yoga begonnen habe, hatte ich Bilder von schlanken, flexiblen Personen vor meinem inneren Auge, die sich in wahnwitzige Positionen hieven und von überall her Applaus und Begeisterung ernten. Heute glaube ich, das trifft eher auf professionelle Verrenkungskünstler zu als auf wahre Yogis. Obwohl es ein wundervolles Gefühl ist, endlich die Position zu erreichen, die man früher so bewundert hatte, geht es im Yoga vornehmlich nicht darum, “besser” zu werden, sondern darum, durch Geduld und Liebe sich selbst schätzen zu lernen.

Während ich den Großteil meiner Freizeit mit grausamen Geschichten über Verbrechen gegen die Menschlichkeit verbringe, um eine Bachelorarbeit fertigzustellen, habe ich seit meiner Yogalehrerausbildung auch angefangen, das Wissen über Yoga zu teilen. Und das war eine innere Überwindung, weil mein Ego mir einreden wollte, dass ich noch nicht bereit sei, dass ich meine eigene Yogaroutine erst perfektionieren und die schwierigsten Asanas beherrschen muss.

Als ich gestern meine erste, improvisierte Ashtanga-Stunde in einer kreativen Kooperative in Kigali gegeben habe, hatte ich eine leichte Nervosität in meinem ganzen Körper. Amerikanerinnen auf Englisch zu unterrichten, wobei ich die Sprache nicht einmal auf ihrem Level beherrsche? Ihnen Tipps und Anweisungen zu geben, wobei ich nicht weiß, ob sie nicht schon seit Jahren selbst Yoga machen und es eigentlich sogar besser wissen als ich? Die ganzen Zweifel meines Egos waren kurz davor, mich zu blockieren, und ich merkte zu Beginn der Stunde, wie meine Stimme leicht zitterte, legte mir meine Notizen zurecht und fragte mich selbst zugleich, wie blöd das wohl ankommen wird, wenn ich ständig auf meine Notizen schaue. Doch die Begeisterung und die innere Freude am Yoga hat mein Ego besiegt, und das war der Anfang von einem “High”, das mir keine Droge der Welt geben könnte. In der Ausbildung wurde uns ans Herz gelegt, sich nicht an die Notizen zu kleben, sondern zu erklären, was man selbst tut und fühlt und mit den Schülerinnen und Schülern wie mit Freunden umzugehen. Wenn du aber vor deiner ersten Klasse stehst und glaubst, dass sie relativ hohe Erwartungen an dich stellen, dann ist das schwer umzusetzen, glaubst zu zumindest. Also legte ich meine Notizen beiseite, zündete ein paar Kerzen an, setzte mich auf meine Matte, und fragte, wer vorher schonmal Yoga gemacht hatte. Und von da an ging die Stunde an mir vorbei wie ein Traum.

Ich ging mit einer solchen Freude heim, wie ich sie schon lange nicht mehr – wenn überhaupt jemals – empfunden habe. Ich wusste in meinem Herzen, nichts großartiges geleistet zu haben, sondern lediglich das, was ich wusste und jeden Morgen praktizierte, mit wunderbaren Menschen zu teilen. Es heißt auch, durch das Lehren lernen wir. Und wenn es im Yoga um Selbstakzeptanz und Selbstliebe geht, dann bin ich hier auf einem richtigen Weg. Mein Anliegen ist es, den Prozess gemeinsam mit anderen zu gehen.

Während ich in den letzten Jahren das Ziel hatte, die Welt zu retten und irgendwie zum Frieden beizutragen, so weiß ich mittlerweile, dass wir nichts geben können, was wir nicht auch selbst haben.

Jemanden zu lieben, ohne die Liebe in uns selbst (und für uns selbst) zu tragen? -nicht haltbar, geschweige denn möglich. Frieden in die Welt zu tragen, ohne diesen Frieden in unserem eigenen Herzen zu haben? -unmöglich (da kommt Sokrates wieder ins Spiel – und ja, ich denke, er war ganz gewiss ein Yogi).

Mit einem Hintergrund in den Politikwissenschaften denke ich manchmal darüber nach, ob und wie es wohl möglich wäre, wenn Politikerinnen und Politiker sich auf einen Yoga-Weg begeben könnten. Ohne ideologischen Nebengeschmack, einfach im privaten Leben Yoga zu praktizieren. Würden sie friedlicher, empathischer oder gar gerechter werden? Würden sie einander zuhören, anstatt auf ihrer eigenen Richtigkeit zu beharren? Würden sie Leben respektieren, ohne Hierarchien zu errichten? Und diese Überlegungen gründen nicht allein auf meinem “Yoga-High”, oder auf Yoga als einer “spirituellen Ideologie”, sondern auf neuesten Erkenntnissen in der Quantenphysik. Wusstest du, dass deine Gedanken deine Realität beeinflussen, gar konstituieren? Der Heisenberg-Effekt, laut welchem der Beobachter eines Experiments dessen Verlauf beeinflusst, ist nur ein Beispiel dafür:

Wir können nicht beobachten, ohne das zu beobachtende Phänomen zu stören, und die Quanteneffekte, die sich am Beobachtungsmittel auswirken, führen von selbst zu einer Unbestimmtheit in dem zu beobachtenden Phänomen – Werner Heisenberg

“10 years ago, if you told somebody that human consciousness alone can have a direct effect on our physical world they would probably look at you like you’re crazy. Today, however, is a different story. Within the past few years mainstream science is catching on to the fact that yes, consciousness is correlated and can have a direct effect on what we call our physical material world.”

http://www.collective-evolution.com/2013/12/01/if-thoughts-can-do-this-to-water-imagine-what-they-can-do-to-us/

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