Ort und Ziel

Wenn wir bewusst Yoga in unser Leben integrieren, dann ändert sich unsere Einstellung zum Leben langsam, aber – wenn wir es zulassen – beständig. Als ich meinen ersten Yogakurs besuchte, war ich sechszehn Jahre alt, und wollte diesen neuen Trend als eine Art Lifestyle-Sport ausprobieren. Doch als ich mich auf die Asanas einließ und meinem Atem folgte, gab mir diese neue Kunst mehr als nur ein Lifestyle-Emblem. Sie brachte mich zur Ruhe mit mir selbst und meinem Körper, zur Abkehr von der Hektik und dem Wettbewerb des Alltags, zu einer ganz sonderbaren Form von Einheit und Frieden. Irgendwo zwischen neuen Formen von Pilates, Power-Yoga und Fitness verlor ich jedoch diese Ruhe und fand mich selbst wieder in einem Streben nach Perfektion, das für unsere westliche Kultur so bezeichnend ist. Donna Farhi erklärt dieses Missverständnis, das wir von den Asanas (den Yogastellungen) haben und zeigt auf, dass sie nur ein kleiner Teil von Yoga per se sind, insbesondere nur Techniken, um der Essenz von uns selbst näher zu kommen:

“In the West we are taught from an early age that what we do and what we own are the sole components for measuring whether we are “successful”. (…) What Yoga teaches us is that who  we are and how we are constitute the ultimate proof of a life lived in freedom. If you do not truly believe this, it is likely that you will measure success in your yoga practice through the achievement of external forms. This tendency has produced a whole subculture of Yoga in the West that is nothing more than sophisticated calisthenics, with those who can bend the farthest or do the most extraordinary yoga postures being deemed masters.Because it’s easy to measure physical prowess, we may compare ourselves to others who are more flexible, or more “advanced” in their Yoga postures, getting trapped in the belief that the forms of the practice are the goal. These outward feats do not necessarily constitute any evidence of a balanced practice or a balanced life. What these first central precepts the yamas  and the niyamas ask us to remember is that the techniques and the forms are not goals in themselves but vehicles for getting to the essence of who we are.” (Farhi, Donna: Yoga, Mind, Body & Spirit: A return to wholeness, S. 7 f.)

Ich muss mit Ehrlichkeit zugeben, dass mein Lernprozess noch anhält, dass ich bestimmt noch Zeit brauche, um mich von der Idee zu lösen, Erfolg messen uns sehen zu können. Oft ertappe ich mich dabei, in etwas Perfektion zu suchen, das ich tue – sei es eine bestimmte Asana, die ich unbedingt beherrschen möchte, bis die Lehrerausbildung anfängt, um mich nicht vor den anderen zu blamieren, oder nur die Gestaltung eines Tagesablaufes hier in meinem Kigalischen Heim. Doch was ich gelernt habe, ist, dass ich einige Denk – und Verhaltensmuster, die sich über lange Zeit in mir festgesetzt haben, nicht über Nacht abstreifen kann. Was ich jedoch tun kann, ist eine demütige und geduldige Form von Selbstbeobachtung zu praktizieren, die es mir erlaubt, meine Muster zu erkennen und langsam zu transformieren. Wir dürfen nicht zu streng mit uns sein, welchen Weg auch immer wir gehen wollen – ob wir Yoga üben, Joggen gehen, oder uns um unser Studium kümmern.  Ich denke, ein Weg, um dorthin zu gelangen, wo wir wollen, ist Selbstbeobachtung und stetiger Wandel. Vor diesem Hintergrund habe ich auch das Beitragsbild ausgewählt – da ich mich scheinbar notorisch nach anderen Orten sehne, doch was eigentlich zählt, ist die Reise unseres Bewusstseins. Yoga kann ein Fahrzeug sein, das uns dorthin bringt, wenn wir wissen, in welche Richtung wir fahren wollen.

Credit: Township Yogi
Credit: Township Yogi

Abschließen möchte ich meinen Beitrag mit einem wundervollen Gedicht von Katy Stevenson Wirth, das ihren Weg der Abkehr von Wettbewerb und Konkurrenz hin zu Liebe und Einheit beschreibt:

In my heart of hearts,

I no longer want to be

Better than anyone

Smarter than anyone

Thinner than anyone

Prettier than anyone

Faster than anyone

Stronger than anyone

More accomplished than anyone

More creative than anyone

A better mother than anyone

A better friend than anyone

Better educated than anyone

ANYTHING more than anyone.

I want to walk this path

Side by side

In awe of who you are

In awe of what your gifts are

To see you only in love and light

With your beauty shining through

Just as you are.

And I want you to see me the same way.

For I really do love you

Just as you are.

I only thought I had to be better

In order for you to love me.

I drop this cloak of outshining at the gate.

It has been such a heavy burden,

An unnecessary burden

A self imposed burden.

Will you still love me

Being just as I am.

In my heart of hearts,

I know you will.

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