Leben ist Zerstörung und Entstehen (ist dialektisch?)

Es war ein sonderbarer Tag, denn die Lektüre Platons hat etwas Licht in meine Wahrnehmung dieser absurden Welt gebracht (während ich kurz zuvor noch traurig die Parolen radikaler ISIS-Anhänger angehört habe, und schnell Youtube-Videos von Enthauptungen in Saudi-Arabien wegklicken musste, um nicht völlig verständnislos in die Welt hinauszugehen und mich grübelnd zu fragen, was die Krankheit unserer Zeit ist) — und ich habe mich gefragt, wie Sokrates das alles schon vor über 2000 Jahren erkennen konnte. Dass er einen idealen Zustand der Gerechtigkeit ausmalt, mühsam aufbaut und bis ins kleinste Detail als das Gute konzeptioniert, um dann festzustellen, dass es zerfällt, weil alles vergänglich ist. 
Er erkannte, dass ein Aufstieg zum Erkennen und zum Sein der Dinge erst durch eine existenzielle Widersprüchlichkeit und dem Drang, die Wahrheit erfahren zu wollen, möglich wird. Camus hat sicher von dieser Lehre Schlüsse gezogen, als er das Absurde im Leben, gar die Absurdität des Lebens an sich, beschrieben hat. Und trotz seines grundlegenden, relativistisch anmutenden Existenzialismus lag seine “Revolte” gegen das Absurde – wie bei den meisten großen Denkern der Geschichte – im Guten, der Gerechtigkeit, der Solidarität, ja der Liebe.
Ich habe mir neulich einen Spielfilm angesehen, um meine Gedanken von dem Leiden, das doch nur unakzeptierter Schmerz dessen ist, das du nicht kontrollieren kannst, hinweg zu kanalisieren, zu dem Ort der Ablenkung, wo du dich deiner eigenen inneren Zerrissenheit nicht stellen musst.
Eine Stelle aus dem Film hat mich sehr berührt, und ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Vielleicht, weil wir alle von Zeit zu Zeit auf solche Sackgassen stoßen, bei denen wir lange Zeit verweilen, aus Angst davor, das Gewohnte zu verlassen, auch wenn die Gewöhnung und die Routine uns einengt und schmerzt. Es hieß dort also, als die Darstellerinnen und Darsteller durch Roms historische Ruinen wanderten:

“Wir alle wollen, dass immer alles so bleibt wie es ist. Wir nehmen es hin unglücklich zu sein aus Angst vor Veränderung. Aus Angst, alles könnte einstürzen. Und dann sah ich mich dort um. Sah die Spuren des Chaos, die es erlitten hatte. Wie es umfunktioniert wurde, verbrannt und geplündert und danach einen Weg fand wieder neu zu entstehen. 

Und da war ich beruhigt. Vielleicht war mein leben gar nicht so chaotisch. Vielleicht ist es nur die Welt. Und die einzig wahre Falle ist, sich an irgendwas zu klammern.

Zerstörung ist ein Geschenk. Zerstörung ist der Weg zum Wandel.”

Es gibt Dinge, die wir eigentlich nicht ertragen müssten, aber doch zulassen. Und wir fragen uns trotzdem: wann werden wir genügend Liebe aufbringen, um uns von unseren selbstgeschmiedeten Fesseln zu befreien?
Eines ist sicher, wenn wir auf die Zeit warten, wird sie uns enttäuschen, denn sie wartet nicht auf uns, sie rennt einfach weiter. Das Aufblühen dieser Liebe und dem Willen zum Wandel beginnt in uns….
…Wir warten auf ein Happy-End, verschieben große Entscheidungen auf später, in der Hoffnung, das Happy-End käme zu uns, bevor wir etwas loslassen müssen.
Vielleicht gehören manche Menschen nicht in unser Leben, auch wenn wir sie so unbedingt in unser Leben integrieren wollen. Vielleicht erwarten wir, dass uns das Glück begegne, oder Superhelden unsere Wege streifen, wo wir doch selbst die Superhelden sein könnten, die wir in der Welt so vermissen, ja auf die wir sehnsüchtig warten.
Vielleicht besteht das Happy-End momentan nicht aus anderen Personen, sondern aus dir selbst. Aus dir allein, die die Scherben aufsammelt und von Neuem beginnt, sich befreit für eine schönere Zukunft. Vielleicht liegt das Happy-End im Akt des Loslassens.

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