Sich fuer den Frieden entscheiden.

“Du must jetzt…” und “Du darfst nicht…” – in staendigem Wiederholungsmodus hallen diese unangenehmen Satzbausteine in deinem Kopf umher und verbinden sich mit den seltsamsten Aufgaben, die sich im laufe eines Tages ansammeln: du musst noch einkaufen, du darfst nicht so abgelenkt sein, du musst jetzt Smalltalken, du darfst nicht so still sein…
Meistens hoeren wir ganz automatisch hin, und folgen blind diesen Anweisungen, die von der Stimme in unserem Kopf artikuliert werden. Manchmal antworten wir und teilen ihr mit, dass wir das alles nicht schaffen. Manchmal kritisiert sie uns bei dem, was wir tun, ganz selten gibt sie uns vielleicht ein dezentes Kompliment, aber meist kommentiert sie wahllos unsere Aktvitaeten oder kritisiert uns.

Die Freiheit beginnt mit der Erkenntnis,
dass du nicht »der Denker« bist.
In dem Augenblick, in dem du den Denker
zu beobachten beginnst,
wird eine höhere Bewusstseinsebene aktiviert.
(…)
Du erkennst ferner, dass alles, was wirklich
von Bedeutung ist –
Schönheit, Liebe, Kreativität, Freude,
innerer Frieden –
seinen Ursprung jenseits des Verstandes hat.
Du beginnst zu erwachen.
– Eckhart Tolle

Es ist fuer uns, die wir diese Stimme in unseren Koepfen bereits angenommen und in unsere Normalitaet integriert haben, ein sehr schwieriges Unterfangen, sich fuer wenige Minuten in einem meditative Zustand zu versuchen. Die meisten von uns machen moeglicherweise die Erfahrung, dass die Stimme ununterbrochen weiterredet, auch wenn wir ihr vermittelt haben, dass wir nun einmal – sei es auch nur fuer wenige Minuten – abschalten wollen.
Deshalb sollte man meinen, dass es gar nicht so einfach ist, sich fuer den Frieden zu entscheiden, wie Eckhard es uns vorschlaegt. “Sicher sind Zitate leicht hingeklatscht und hoeren sich von aussen gut an, doch so etwas umzusetzen, das ist alles andere als leicht”, hoeren wir uns denken – und unser Denker haelt uns, mittels pseudorationaler Argumentation, erneut davon ab, uns auf den Frieden einzulassen.

Doch vielleicht geht es doch. Vielleicht koennen wir mit unserem Denker Frieden schliessen, und mit ihm gemeinsam unseren Frieden verwirklichen. Vielleicht muss nicht immer alles kommentiert werden, sondern wir duerfen den Augenblick erleben und geniessen, ohne uns gleich schuldig zu fuehlen, nur weil unser Denker uns vorwirft, dass wir jetzt keine Zeit zum entspannen haben.
Wie koennen wir das anstellen?

Ich denke, ein erster grosser Schritt, der uns bei der Entscheidung fuer unseren Frieden helfen kann, ist die Erkenntnis, dass die Denker in uns nicht wirklich wir sind. Natuerlich sind sie Teil von uns, aber sie machen unser Wesen nicht aus. Wenn wir das erkannt haben, und verstehen, dass der Denker beispielsweise nur so misstrauisch ist, weil er selbst einmal verletzt worden ist, oder dass er immer alles kritisiert, weil er denkt, er muss aeusseren Anspruechen genuegen – wenn wir das erkannt haben, dann koennen wir entscheiden, dem Denker in uns zu vergeben und behutsamer mit ihm umzugehen.
Wenn er Angst vor dem Versagen hat, dann ermutigen wir ihn, wenn er sich einsam fuehlt, sind wir fuer ihn da, aber auch, wenn er sich freut oder sich noch etwas wuenscht.
Wir koenne mit unseren Denkern Frieden schliessen, und ihm ein guter Freund werden, denn dann verlernen wir diese destruktive Selbstkritik oder Furcht, die er manchmal ausstrahlt. All seine Denkmuster sind erlernt, und nur dadurch, dass wir ihm vergeben und mit ihm Frieden schliessen, kann er neue, liebevollere Denkmuster erlernen, die uns den Weg in den Frieden oeffnen.

Heute entscheide ich mich fuer den Frieden.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s