Kristmas in Kampala

Aus obskuren Gruenden findet Weihnachten dieses Jahr in Kampala statt. Und das ist eine wirklich fabelhafte Grossstadt, die nur so vor Leben und Bewegung spriesst. Der Unterschied zu Kigali ist gewaltig – letztere ueberschaubar und sauber, Kampala hingegen gigantisch und manchmal unangenehm dreckig. Wohlmoeglich ist es nur die Unbequemlichkeit, die in mir spricht, und sich dem Neuen hilflos ausgeliefert fuehlt – in Kigali war das Leben zur Gewohnheit geworden, Kinyarwanda zur Umgangssprache und der beste Kaffee zum gelegentlichen Verwoehnprogramm. Kampala hingegen widersetzt sich der eingespielten Routine – ich verstehe kein Wort Luganda, muss mit “muzungu”-Preisen leben und tue mich schwer mit Ess- und Trinkbarem. Aber das ist der Clou – das Unbekannte, das Neue, die Reisen – all das bricht den Zyklus der Routine und fordert dich heraus. Auch wenn es manchmal unangenehm ist – z.B. wenn dir jemand deine Lieblingskette vom Hals reisst waehrend du auf dem Moto sitzt – ist eine Reise auch immer ein Schritt zu dir selbst. Es heisst, die Art und Weise, wie jemand dich behandelt, sagt nichts ueber dich selbst aus, sondern ueber den/die andere/n. Die Frage ist vielmehr, wie du reagierst – Wie gehst du mit der neuen Situation um? Gehst du auf die Menschen zu, anstatt von ihnen weg? Gehst du hinaus in die Natur anstatt dich aus Furcht vor Sonne und Diebstahl einzusperren? Es bleibt immer Raum zum Lernen, sei es von anderen ueber andere oder ueber dich selbst. Weihnachten in der aequatorial-bruetenden Hitze unter der Kampalischen Sonne laesst nicht viel Raum fuer die altgewohnte Stimmung. Das Bewusstsein hingegen, dass diese Zeit ein Geschenk ist und du es mit jemandem verbringen darfst, den du liebst, ist unbezahlbar. Heiligabend war in Kampala ein Candle-Light Dinner auf dem Balkon eines billigen Motels, einer Flasche Wein, guter Musik und philosophischen Traeumereien. Weihnachten ist dieses Jahr die Liebe zum Wachstum, zur Empathie, zum Teilen, die Liebe zum Wandern und Entdecken, zum Nachdenken und Suchen.
Vielleicht ist es das immer, das ganze Leben hindurch.
Vielleicht kommt aber das Bewusstsein darueber nur in besonderen Momenten ans Tageslicht, wenn wir selbst aufgefordert sind, zu handeln oder zu reagieren. Welchen Weg werden wir einschlagen?

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