Warum es schoen ist, ein Weilchen in Ruanda zu leben.

Ruanda ist fuer mich mehr als nur ein Fleckchen Erde, mehr als nur ein scheinbar winziges Land inmitten des Herzens von Afrika. Ich denke mir die Grenzen weg und mache es nicht mehr zu einem Land, sondern zu einem Ort des Herzens. Als ich letztes Wochenende im Bus sass, der mich an den Kivusee brachte, sah ich einige Stunden lang aus dem Fenster und die Schoenheit der Mutter Natur fuehrte mich erneut in meine Reise selbstwaerts. Die Huegel, gruen bedeckt, von Feldern und Haeusern uebersaet, wirken fast nicht real im Vergleich zum Stadtleben. Und doch war hier, als ich aus dem Fenster blickte, so viel Leben – die Natur, die Menschen, die fleissig ihren taeglichen Taetigkeiten nachgehen und die Kinder, die ihrer Neugier nachgehen. All das erinnerte mich wieder daran, was fuer ein Wunder diese Gegend war – so fruchtbar, so gruen und so einzigartig – bewohnt von Menschen, die unter der Sonne arbeiten und wissen, dass sie Teil von einander sind.
Dieser Ort ist fuer mich aber insbesondere ein Ort des Lernens. Lernen, etwas wertzuschaetzen, was ich sonst fuer absolut selbstverstaendlich gehalten hatte – wie zum beispiel Strom und Wasser. Es kann desweilen passieren, dass Strom in ganzen Vierteln ausfaellt. Wenn Zouzou gerade ein Tattoo sticht, oder ich ein Buch lese, kann das natuerlich aergerlich sein. Aber schnell schwingt die Stimmung um und der stromfreie Abend wird zu einem romantischem Kerzengespraech, in dem ueber das Leben und Politik philosophiert wird. Ich schaetze Stromausfaelle, da sie mich an das Miteinander erinnern und ein wenig Abstand von der Technologie bieten, auf die wir im Alltag so angewiesen sind. Ich schaetze es auch deshalb, weil es mich daran erinnert, dass Strom nicht selbstverstaendlich – aber auch nicht ueber-lebenswichtig – ist; denn wenn er wiederkommt, hoert man ihn schon bevor er dein Haus erreicht – anhand der jubelnden Stimmen, die von weitem erklingen.
Dieser Ort kann auch eine Bremse sein, von der Hektik, die mich oftmals treibt, alles weiter, mehr und besser zu machen. Er kann Geduld lehren, wenn du dich darauf einlaesst. Natuerlich geht es auch darum, sich persoenlich weiter zu entwickeln, aber manchmal ist eine Pause gut, um sich dem Wesentlichen im Leben wieder klar zu werden. Um ein wenig nachzudenken, und die Stille oder die Abwesendheit von Technik in anderer Weise zu nutzen. Um anderen zuzuhoeren, anstatt immer etwas zu sagen zu haben oder einfach zu beobachten, anstatt immer etwas zu machen. Deshalb ist er fuer mich auch, und besonders, eine Reise selbstwaerts – weil ich manchmal eine Bremse brauche, um den Moment zu leben.

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