Lebenslanges Lernen

Was tun, wenn du sehnsüchtig auf den Unibeginn wartest und nach einer Gelegenheit suchst deine freie Zeit mit etwas zu verbringen, dass dich fesselt, inspiriert und bereichert? Versuch es doch einmal mit einem Online-Kurs, der deinen Interessen zusagt! Ich habe mich die letzten 3 Wochen mit multikulturellem Bewusstsein beschäftigt, einem automatisierten Programm im Rahmen der University for Peace Distance Education (http://www.elearning.upeace.org).
Im Rahmen des „weltwärts“Programmes, das ich 2010/2011 in Ruanda machen durfte, habe ich mich zum ersten Mal in meinem Leben intensiver mit Kultur und globalem Lernen beschäftigt und einen Einblick in interkulturelle Sensibilität erhalten. Vieles von dem, was wir im Rahmen von Seminaren und Diskussionen angesprochen haben, ist in meiner Erinnerung geblieben und während des Jahres in Kigali auch praktisch zur Geltung gekommen. Ich habe jedoch auch festgestellt, dass ich noch immer persönlichen Schwierigkeiten begegne, jedesmal, wenn ich wieder zurück in Ruanda bin. So beispielsweise der zunehmenden Frustration, wenn ich als Fremde bezeichnet und behandelt werde, oder einer Form von Wut, wenn ich mitbekomme, dass Vorurteile reproduziert werden.

Mit dem Kurs „Multikulturelles Bewusstsein“ (Multicultural Awareness im Original), hatte ich die Gelegenheit, mein Verständnis von Kultur und interkultureller Kommunikation zu vertiefen.
Der Kurs war insbesondere hilfreich für mich, da ich mich intensiv mit eigenen Erfahrungen und Ereignissen auseinandersetzen konnte.
Um interkulturelles Bewusstsein zu stärken, war es ein wichtiger Schritt, mich selbst als kulturelles Wesen zu begreifen und meine eigenen Einflüsse, Werte und Verhaltensweisen zu analysieren. Denn es heißt, wenn wir einander besser verstehen wollen, so ist es notwendig, dass wir uns selbst zunächst verstehen. Nachdem ich sporadisch eine Art Selbstanalyse versucht habe, legte der Kurs mir zahlreiches Instrumentarium ans Herz, um kulturelle Sensibilität zu stärken. Es ging in letzter Instanz darum, sich selbst als kulturelles Wesen zu verstehen, und in einem multikulturellen Kontext die Perspektive von anderen einzunehmen.
Der Kurs beschäftigt sich eingangs mit Konzepten und zahlreiche Definitionen von Kultur um zu verstehen, was Kultur eigentlich bedeutet, wenn wir tiefergehend darüber sprechen wollen. Ein Essay in englischer Fassung, der Teil der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Definitionen war, findet sich im Anhang. Mir sagte besonders die Annahme zu, dass Kultur ein äußerst komplexes Phänomen sei, das sich in zahlreichen Identitätsschichten sowohl in Individuen als auch in sozialen Gruppen manifestiert.
Für ein holistisches Verständnis von Kultur ist es vorteilhaft, mehrere Konzepte zusammen zu betrachten – u.a. Werte, Verhalten und die sogenannte „Linse, durch die wir die Welt wahrnehmen“.
Die Auseinandersetzung mit Globalisierung und Migration war für mich interessant – während die Tatsache der zunehmenden Diversität ein Fakt ist, ist jedoch die gesellschaftsspezifische Auseinandersetzung damit nicht selbstverständlich.

“‘Pluralism’ and ‘diversity’ are sometimes used as if they were synonyms, but diversity is just plurality, plain and simple — splendid, colorful, perhaps threatening. Pluralism is the engagement that creates a common society from all that plurality” Diane Eck (2006) (http://pluralism.org/pluralism/essays/from_diversity_to_pluralism.php, cited 21 July, 2009)

Pluralität ist in dieser Herangehensweise mehr als nur Toleranz, mehr als nur “Nebeneinander-Her-Leben”, eine pluralistische Gesellschaft ist eine kommunikative, inclusive. In einem solchen Dialog ist es wichtig, a) sich selbst intensive zu kennen,sowie b) die “Anderen” auf authentischer Ebene zu kennen, und ein freundschaftliches Verständnis von den „Anderen“ darüber zu erlangen, wie sie wirklich sind (und nicht in karikarierter Form).
In einem weiteren Teil des Kurses ging es um Stereotype, Vorurteile und Rassismus – und ihre Beziehung zueinander. Während Stereotype grundsätzlich kognitiv sind, sind Vorurteile attitudional. Stereotype erwachsen aus der menschlichen Eigenschaft, Informationen und Wissen zu kategorisieren und Generalisierungen vorzunehmen. Sie basieren meist auf zu wenig, bzw. eingeschränkter Erfahrung mit einer sozialen Gruppe. Stereotype können aber zu einem Zirkel aus sich selbst erfüllenden Prophezeihungen führen:

“Stereotyping affects the ways that members of one group treat another and that is turn may lead to changes in behavior of the stereotyped group. Perceiving the members of some group as violent and dangerous may, for example, lead to hostile treatment of that group which may in turn lead to a violent response from the stereotyped group” (McGarty, C., Yzerbyt, V., & Spears, R. 2002, pg. 10)

Vorurteile entspringen – als Haltung – negativen Stereotypen, die meist auf einer empfundenen Bedrohung basieren.
Besonders hilfreich war für mich die Beschäftigung mit der kulturellen Dimension von Konflikten. Kultur ist demnach Teil eines jeden sozialen Konfliktes, da diese menschliche Beziehungen betreffen:

“Cultures affect the ways we name, frame, blame, and attempt to tame conflicts. Whether a conflict exists at all is a cultural question” (LeBaron, 2003).

Mein generelles Verständnis von Konflikt hat sich ebenfalls verändert, da ich Konflikte grundsätzlich als negativ wahrgenommen habe. Jetzt akzeptiere ich Konflikte als einen grundlegenden Teil menschlicher Interaktion, die nicht notwendigerweise negative Konsequenzen haben müssen, sondern sogar positiv und konstruktiv auf soziale Beziehungen wirken können. Ein hilfreiches Instrumentarium zur Konflikt-Analyse findet sich ebenfalls im Anhang.
Neben weiteren Themen, wie Kulturrelativismus vs. Universalismus, interkultureller Kommunikation und Sensibilität, sowie Ansätzen, um Kultur als positive Ressource in peacebuilding Prozessen zu nutzen, hat der Kurs meinen Blick geweitet für inter/multikulturelles Bewusstsein. Ich bin mir sicher, dass ich dauerhaft von dem erworbenen Wissen profitieren werde, insbesondere in meinem studentischen Alltag hier in Ruanda.

Mein Fazit/ guter Tipp: sucht euch bei „Langeweile“ oder in der Freizeit mal einen Online-Kurs, der euch zusagt, und schaut, ob es sich lohnt. Mir hat es eine Menge Spaß gemacht, mich selbst darin besser kennen zu lernen, meine Schwächen zu entlarven, und herauszufinde, woran ich im Bereich „interkultureller Kompetenz“ noch intensiver arbeiten kann.

Hier findet ihr einige interessante Internet-Seiten, auf denen ihr euch gratis (aber nicht umsonst) umschauen könnt: http://www.lifehack.org/articles/productivity/20-places-educate-yourself-online-for-free.html

Anhang:
Conflict Analysis Tools

Essay Definitions of Culture

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