Praktikum Part II

Nun bin ich schon seit einem Monat wieder in Kigali und bemerke verwundert, wie schnell die Zeit doch vergeht, wenn Frau sich zu Hauf mit Bürokratie, schwerfälligem Papierkram und Gängen zu Botschaft und Uni beschäftigt. Letzte Woche habe ich ein Praktikum bei der National Commission for the Fight against Genocide (CNLG) begonnen, und seither arbeite ich im Büro von Dr.Jean-Damascène Gasanabo, dem Direktor des Research and Documentation Center on Genocide (RDCG). Meine Aufgaben konzentrieren sich auf Kommunikation, dem Verfassen von Berichten und momentan arbeite ich an einem Entwurf für die Research Policy des Centers.
Der hohe linguistische Anspruch stellt eine Herausforderung für mich dar, die ich aber gerne und mit Leidenschaft antrete. Bisher habe ich den offiziellen Bericht entworfen, den Dr.Gasanabo über seine Exkursion zur Internationalen Konferenz der Genozidforscher nach Siena, Italien unternommen hat. Dieser Bericht muss bei dem Premierminister zur Rechtfertigung und Abschluss eingereicht werden. Als ich mich mit dem Programm und den Inhalten der Konferenz auseinandergesetzt habe, war ich sowohl beeindruckt als auch inspiriert,  eines Tages auch professionell an solchen Veranstaltungen teilnehmen zu können. Dieser Einblick in die akademische Sphäre und die Professionalität von Forschung und Lehre, die Genozid, Prävention und Folgen betreffen, eröffnet mir eine Vision für meine eigene berufliche Zukunft.  Mit dem Ziel, mich in diesem Feld zu spezialisieren, stellt sich Forschung als ein durchaus erstrebenswerter Weg dar. Dennoch ist mir noch unklar, inwiefern ich damit einen Lebensunterhalt verdienen kann. Ich werde es herausfinden.
Als nächstes übernahm ich die Verantwortung, mich mit einem Projektentwurf auseinanderzusetzten, der für das 20-jährige Gedenken an den Völkermord an den Tutsi (März/April 2014) eingereicht worden ist. Der Vorschlag ist der CNLG schon im November 2012 zugekommen, leider nur war er bisher nicht bearbeitet worden und gefährdet durch die Verzögerung die Durchführung des Projektes. Es handelt sich um ein Photobuch, das den Namen „Tribute“  tragen soll und Bilder sowie Interviews von jeweils 20 weiblichen und männlichen Genozid-Überlebenden beinhalten soll. Zum zwanzigsten Jahrestag des Genozids, also im April 2014, sollen etwa 2000 Kopien des Buches für die ruandische Bevölkerung verfügbar gemacht werden. Die Autoren sind Experten auf ihrem Gebiet. Während es aufgrund des Budgets und den Anforderungen, die im Projektvorschlag zutage treten, schwierig aussieht, dass das Projekt gelingen wird, so zeigen die Autoren dennoch Geduld und Optimismus – eine Eigenschaft, die ich vor allem aufgrund der Bürokratie und der Ungewissheit über Zuständigkeiten in staatlichen Institutionen vor Ort nur allzu wertschätze. Ich hoffe von Herzen, dass das Projekt zustande kommen kann.
Momentan also arbeite ich an der Research Policy des RDCG – um es ehrlich zu sagen, eine Aufgabe, die mich wirklich herausfordert. Dr. Gasanabo hat bereits einen Policy-Entwurf auf Englisch verfasst und ihn dann zur Kontrolle an Professoren der Genfer Universität gesendet. Nun liegen zwei Dokumente auf meinem Schreibtisch – die Antwort und Anmerkungen der Genfer ProfessorInnen auf französisch, sowie das urprünglische Dokument von Dr. Gasanabo auf Englisch – und meine Aufgabe liegt darun, die Anmerkungen auf Englisch logisch und angemessen einzufügen.  Dies ist einerseits eine Herausforderung, weil das Sprachniveau jeweils relativ hoch ist, und die Verantwortung, die mit dem Erstellen der Research Policy für das RDCG verbunden ist, für mich relativ schwer wiegt. Aber ich weiß auch, dass Dr. Gasanabo das Paper  – wenn ich die Bearbeitung beendet habe – noch einmal tiefgehend durchgehen wird. Von daher ist diese Aufgabe eher erleuchtend und interessant für mich, zumal ich einen tieferen Einblick in die Funktionsweise des RDCG und der CNLG erhalte. Das Studium der Research Policy eröffnet mir eine weitere mögliche Option: das Center arbeitet mit Forschern, die entweder einen Bachelor- oder Masterabschluss haben – und ermöglicht sogar einen Masterabschluss in Genocide Studies and Prevention.
Das Praktikum eröffnet mir interessante Einblicke in eine andere Perspektive der Genozidforschung und –Prävention, nicht die NGO-Sicht, sondern eine staatliche, eigens betroffene Sicht.

 

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