Lobbying in Washington D.C.

Nein, das machen andere. Ich kann so etwas nicht.

Ich war lange Zeit der Überzeugung, dass so etwas wie Lobbying nicht das Meine sei. Ich sei nicht rhetorisch gewandt genug, nicht selbstbewusst genug, noch hatte ich überhaupt genug Ahnung von dem, wofür ich mich seit Jahren einsetze. Bis ich heut wieder mit meiner Lebensdevise “Einfach mal machen!” konfrontiert wurde.

Für den Nachmittagsplan der Sudan Emergency Summit stand heute Lobbying in verschiedenen Gruppen bei verschiedenen Abgeordneten im Capitol an. Das klang für mich schon auf dem Papier so wichtig und so anspruchsvoll, dass ich mir sicher war, ich werde am Nachmittag wohl eher irgendwo spazieren gehen und mir die ganze Sudangeschichte noch einmal durch den Kopf gehen lasse.

Doch ich wurde von heutigen Reden inspiriert.

Mukesh Kapila, Sonderbeauftragter des Aegis Trust für die Bekämpfung von Verbrechen gegen die Menschheit, war lange Zeit mit den UN im Sudan tätig und war der erste, der den Genozid in Sudan aufgedeckt hat. Er erzählte mit brennendem Eifer, was seiner Ansicht nach im UN-System falsch läuft. Kofi Annan, der zur Zeit des Völkermordes in Ruanda Sonderbeauftragter für Peacekeeping war und das 11th January Cable von General Romeo Dallaire zurückwies – welches den Völkermord frühzeitig hätte aufhalten können; sei mitverantwortlich an mehreren Völkermorden gewesen – und erhält schließlich den Friedensnobelpreis. Während der Verhandlungen über ein Sudanesisches Friedensabkommen saß Mukesh mit zahlreichen internationalen Diplomaten an der Bar – und während hinsichtlich des Abkommens nichts passierte, disskutierten die Genießerdiplomaten, wer wohl den Friedensnobelpreis bekäme.

Viele Aktivisten leben für die Laufbahn, und verlieren dabei die Mission aus den Augen: die Menschen.

Als dann Carl Wilkens über den Ausbruch des Völkermordes in Ruanda erzählte, einer Zeit, in der er vier Jahre lang in Kigali gelebt hatte, und sich von seiner Familie getrennt hat, um sie außer Land zu bringen, selbst aber zu bleiben, um Waisenhäuser mit medizinischen und ernährungstechnischen Mitteln zu beliefern, war eines für mich klar.

Schon allein dabei zu sein und es zu versuchen, war es wert.

Also schloss ich mich einer wundervollen Frau an, Cory, die meine Weggefährtin und enge Herzensverwandte diesen Nachmittag wurde, mit der ich mich stundenlang unterwegs über Aktivismus, Rassismus und Friedensaussichten unterhielt und die mir einen der erfolgreichsten und motivierendsten Lebenserfahrungen mit auf den Weg gab.

Wir gingen zu zweit ins Büro von Senator John McCain, um seinen Mitarbeitern unser Anliegen [Darfur] breit darzulegen, und wie der Geist der Gerechtigkeit und der Idee wieder in mich kam, so verließ mich alle Angst, etwas falsch zu machen, und ich sprach von deutscher Politik, der immer breiter werdenden internationalen Öffentlichkeit (deren lebender Beweis ich u.a. war) und den möglichen politischen Folgen von Nicht-Handeln, sowohl für die gesamte Region als auch für die Weltgemeinschaft.

Zwei weitere Abgeordnete aus Arizona, Cories District, musste noch an unser mittlerweile eingeschweisstes Team-Spirit glauben, und je mehr wir mit ihnen sprachen, desto mehr wurde mir bewusst: wir können das.

Wir können gemeinsam etwas bewegen, etwas tun, das der Gerechtigkeit Geltung zollt. Und mit aller Energie der Liebe, die wir in uns tragen, dafür sprechen, wofür wir stehen.

Es ist keine Frage des Lebenslaufes oder der Fähigkeiten. Es ist eine Frage des Miteinander. Denn ein Verbrechen gegen die Menschheit an einem Ort wie Darfur, ist ein Verbrechen gegen die Menschheit auf dem ganzen Planeten.

SAMSUNG

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