Leben ist stärker als Tod.

Diese Worte bildeten den Abschluss des Panel Statements von Dr.Gregory Stanton und berühren die zahlreichen Aktivisten, die von al-Bashirs Genozidregime schon fast entmutigt sind. Zwanzig Jahre lang maltraitiert dieser schon seine eigene Bevölkerung, über 20 Jahre lang Genozide, Arabisierung, Rassismus gegen marginalisierte sudanesische Bevölkerungsgruppen: in Darfur, Nuba, Blue Nile, Kordofan. Und ein mindestens genauso langer Zeitraum der fehlende Wille der internationalen Gemeinschaft, den Völkermord al-Bashirs an der eigenen Bevölkerung zu verhindern.

Seit mindestens zehn Jahren versuchen verschiedene Advocacy Gruppen und Aktivisten Einfluss auf Regierungen zu nehmen, Hilfsmittel zu organisieren, Öffentlichkeit zu schaffen;

und doch war die ernüchterne Diagnose der vertretenen Redner, darunter Luis Moreno-Ocampo, Ken Isaacs, Nasredeen Abdulbari, Ahmed Hussain Adam, Abdalhaleim Hassan u.v.m. : es hat sich nichts getan. Al-Bashir hält den Völkermord durch die wahnwitzigsten Strategien am Leben: nun lässt er die Bevölkerung vehungern, indem er humanitären Organisationen den Zutritt versagt und regelmäßig Luftangriffe auf zivile Einrichtungen wie Märkte, Dörfer, Krankenhäuser oder Schulen fliegen lässt. Trotz der formalen Friedensvereinbarung mit dem Südsudan und vermeintlichen Gesprächen und Verhandlungen um Grenzstreitigkeiten, insbesondere um die ölreiche Region Abyei in Südkordofan, scheint al-Bashir eine ganz fatale (westliche!) Idee anzustreben: die Homogenisierung von Territorium und Bevölkerung, das Prinzip eines, wohlgemerkt islamistischen, Nationalstaats. Immer wieder wurde die Frage der Identität aufgegriffen, und immer wieder fragte ich mich [in Anbetracht der “Kampf der Kulturen”-Debatte], ob Islam und Christentum wirklich die ausschlaggebenden Identitätsdimensionen seien, die den Konflikt so determinieren. Immer wieder vermischen sie sich mit Nationalität und sogar Rasse bzw. Hautfarbe. Wie zentral kann das sein? Einzelpersonen der anwesenden Diaspora ließen anklingen, dass sie sich als Menschen “zweiter Klasse” behandelt fühlten, gar schlimmer, denn was sie von den Arabern unterschiede sei die schon lange entwertete dunkle Hautfarbe. Die Redner beschwerten sich darüber, dass man (als internationale Gemeinschaft) nur die Symptome zu behandeln versuche, nicht aber die Krankheit. Und da fiel mir auf, dass der “Kampf der Kulturen” vielleicht auch nur eine Beschreibung der Symptome war, und die Krankheit woanders lag.

Was mich im ersten Panel erschrocken hat, war die Tatsache, dass alle Redner, die dort vorne saßen, um über die Zukunft von Sudan zu sprechen, Männer waren. Vertreter der SLMA – Diaspora, SPLM und sudanesische Aktivisten. Bis plötzlich Frauen aus dem Publikum aufsprangen und sich über den Ausschluss von Frauen und Kinder-Stimmen in all diesen Verhandlungen beschwerten. Stanton bemerkte auch – ganz in Einklang mit feministischen Theorieansätzen – dass es in der Geschichte nie Frauen waren, die einen Genozid strategisch geplant haben.

Doch die Anwesenden sind sich sicher: Gerechtigkeit wird siegen, denn Gerechtigkeit ist die Institutionalisierung von Liebe. Bashir wird nicht mehr lange haben.

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