Einfach mal nen Film machen….

Irgendwann überkam es uns einfach – das Fieber philosophischer Worte. Dieses Buch war irgendwie schon etwas Besonderes. „Krieger des Lichts“ – schon der Titel hatte etwas bekräftigend Magisches und Anziehendes. Mir von meiner lieben Rike zugeschickt, bemerkte ich selbst schon schnell den aufbauenden Wert der Worte von Paulo Coelho und beschloss, diese Erfahrung mit anderen zu teilen – so, wie es Rike mit mir getan hat.  Zunächst durch ein paar Hände von Freiwilligen gegangen, beschloss ich (nach anfänglichem Zögern), dieses Buch auch mit meinen Brüdern zu teilen. Das Zögern und die Zweifel haben in den Kulturen und Weltanschauungen gewurzelt, von denen ich dachte, sie würden uns voneinander unterscheiden. Ich hatte ja nicht vor, jungen Ruandern meine philosophischen Ansichten aufzustempeln. Doch dann überlegte ich – war die Philosophie nicht etwas, das Menschen im Allgemeinen zum Nachdenken anregen sollte? Und in jeder Betrachtungsweise einfach nur Gedankengänge, die keiner Wissenschaft gleichzustellen sind? Dann könnte ja auch nicht viel Falsches daran sein, philosophische Fragestellungen anzustoßen, ohne dabei die Lösung zu geben. Das veranlasste mich dazu, mit den Jungs dieses Buch genauer unter die Lupe zu nehmen. Und ganz wie von selbst, fanden sie sich darin wieder. Wir begannen, es auf ihren Wunsch in kinyarwanda zu übersetzen. Irgendwann kam mir die Idee – „Lasst uns doch mehr daraus machen! Etwas, von dem mehrere in vielerlei Weise profitieren können.“ Und da begann ich, ein Filmskript zu schreiben.

Doch wie diese Kurzkapitel in einen zusammenhängenden Film packen? Ich machte es mir einfach: Ich nahm Prolog und Epilog, die gemeinsam eine Rahmenhandlung bilden, und formte sie in ein kinyarwanda-Skript um.  Dann wählte ich prägnante Zitate aus, die den Krieger des Lichts am besten beschreiben. Zu diesen Zitaten stellte ich Fragen, die ich jemandem stellen könnte, dessen Antworten wie von selbst zu diesen Zitaten führten. Und prompt war das Skript bereit, verfilmt zu werden. Es würde kein Film werden, doch mehr etwas, wie eine Serie von Interviews, eine Art Dokumentation, die zum Ziel hat, sowohl die Beteiligten Jugendlichen zu bestärken, als auch diejenigen, die diesen Film sehen können und sich selbst mit diesen Jugendlichen identifizieren, sodass auch sie Kraft finden können.  Mit einer Kamera in der Hand nutzten wir 2 Drehtage, um alles zu beenden. Doch wie editieren? Ich hatte ja gar keine Ahnung vom Filmemachen, und dazu kam noch, dass ich gar keine Maschine hatte, um diese großen Dateien zu editieren. Ein guter Freund, der Frewilliger in Ruhengeri ist, borgte mir seinen Laptop für eine Woche. Und diese Zeit arbeitete ich wie Sisyphos. Jetzt liegt die fertig editierte Version in der Stadt bei einem Videobusiness, um gerendert zu werden.  Deshalb sind jetzt auch schon Filmvorführungen geplant, damit wir unsere gemeinsame Arbeit publik machen können.

Doch der Film war nicht das Einzige, das uns angestoßen hat, irgendwie aktiv zu werden. Ganz spontan nahmen wir eine Seite des Buches und druckten sie aus, mit einem darstellenden Bild eines Kriegers des Lichts und kopierten diese Seite ins hundertfache. Nachts liefen wir mit Kaugummi im Mund durch die Straßen von Biryogo, Nyamirambo – dem als gefährlich bezeichneten Viertel in der Stadt – und schmissen die Kopien durch Türschlitze, klebten sie an Haustore und Laternenpfähle.

Wozu das? Wenn jemand einen solch ermutigenden Text ganz zufällig in die Hand bekommt, der es gerade braucht, dann würden wir unsere Aufgabe erfüllt haben.

 

One thought on “Einfach mal nen Film machen….

  1. Was für eine klasse Idee, tolle Aktion. Und wunderbar angenehmer, Interessanter Schreibstil.
    Ich gehe in 5 Tagen nach Ruanda, vll. sieht man sich ja auf dem VBS.
    LG
    Nora

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