Denn es geht um Begegnungen.

Es hängt damit zusammen, wen du irgendwann triffst. Und es geht um Bewegung!

Bei einer guten Portion „Mouvement“ läuft die Konjunkturwelle des Idealismus gerade wieder seinem Höhepunkt entgegen.

Was gibt’s neues aus Kigali?

Ich bin – so abwegig es auch klingen mag – einer kleinen Akrobatiktruppe hier im Maison des Jeunes beigetreten. Da stehe ich natürlich noch ganz am Anfang, aber es macht eine Menge Spaß, mit den Kids Sport zu machen. Wenn ich in meinem mäßigem Kinyarwanda Späßchen mache und ich in die lachenden und strahlenden Gesichter sehen darf, dann weiß ich, warum ich hier bin. Morgen werde ich mit der Truppe ein wenig Englisch lernen, denn nur wenige können Englisch, und doch sind sie alle unglaublich ambitioniert, es zu lernen.

Dann erinnere ich mich manchmal an die genervten Gesichter damals in der Schule, wenn es wieder Hausaufgaben aufgab und sehe, wie sehr sich die Kinder hier über alles freuen, was sie an Bildung mitnehmen können – wie ich die Bildung zu schätzen weiß, die ich mitbekommen habe!

Neulich, als ich auf dem Weg zum Supermarkt war, habe ich – wie immer – wild um mich herum gegrüßt, und dabei vier Jungs zwischen 15 und 18 kennen gelernt. Sie wollten mich begleiten, womit ich kein Problem hatte. Sie sind wirklich gut in der Schule, denn sie haben mir voller Eifer ihre Zeugnisse gezeigt. Ich habe dann erfahren, dass sie Straßenkinder sind, deren Familien im Zuge des Völkermordes gestorben sind. Als wir bei einem Saft draußen gesessen haben, haben sie angefangen, mir ein Lied vorzusingen (mit wirklich zauberhaft schönen Stimmen) – ein Lied über die Straßenkinder Ruandas. Sie kommen am Wochenende zu mir zum Essen, dann kochen wir zusammen.

Solche Begegnungen sind – unglücklicherweise – eher die Regel als die Ausnahme. So ziemlich jeder Mensch, den man hier trifft, und der von sich aus etwas über sein Leben erzählen mag, ist in irgendeiner Weise vom Völkermord berührt. Man könnte ein Buch über diese Begegnungen schreiben, über diese Menschen, deren Schicksal und die Ähnlichkeiten, die wir alle haben. Ich habe mir jetzt ein Notizblock besorgt, damit ich die Begegnungen schnell zu Papier bringen kann.

Und ich lerne immer noch. Ich lerne jeden Moment.

Meistens – das muss ich zugeben – bin ich bisher in meinem Leben den Menschen begegnet, wie wenn ich einen Berg sehe:  ich habe sie abstrakt und intellektuell klassifiziert, aber nicht wirklich gesehen. Mit der Zeit wollte und will ich noch immer lernen, diese Haltung aufzugeben, die immer nur alles abstrakt klassifizieren will. Denn wenn wir die Menschen richtig sehen können, dann müssen wir auch nicht über ihre Vorgeschichten Bescheid wissen.

Das sind gerade – vielleicht merken es die, die ihn kennen – die Erich-Fromm-Elemente, die mir oft Kraft und Energie geben. Er schreibt:

„Der wichtigste Bereich des Gebens liegt im zwischenmenschlichen Bereich. Was gibt ein Mensch dem anderen? Er gibt etwas von sich selbst, vom Kostbarsten, was er besitzt, er gibt etwas von seinem Leben, von etwas, das in ihm lebendig ist. Und indem er dem anderen auf diese Weise etwas von seinem Leben abgibt, bereichert er ihn, steigert er bei dem anderen das Gefühl des Lebendigseins und verstärkt damit dieses Gefühl des Lebendigseins auch in sich selbst. […] Indem er gibt, kann er nicht umhin, im anderen etwas zum Leben zu erwecken, und dieses zum Leben erweckte strahlt auf ihn zurück.“

2 thoughts on “Denn es geht um Begegnungen.

  1. Das Gute in Menschen zu sehen- ist die Fähigkeit der Kinder. Das Böse in Menschen zu sehen- ist die Erkenntnis der Erwachsenen. Zu sehen das Böse und trotzdem auch das Gute zu erkennen- ist die Fähigkeit eines Weisen. Dem Bösen aus dem Weg zu gehen und das Gute mitzunehmen ist die Fähigkeit eines Klugen!! Ich wünsche dir KLUG deine Kindlichkeit einzusetzen und WEISE dein Erwachsensein zu erleben. Den du wirst erwachsen!! und musst die Verantwortung FÜR DICH übernehmen. Du bist eine Frau!! selbst wenn du es manchmal nicht haben willst.

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